Der Themenabend „Wie wohnen wir in Zukunft?“ stieß auf großes Interesse und machte deutlich, wie aktuell die Frage nach neuen Wohnformen ist. Nach der Begrüßung durch Martina Wenta führte Max Kellnberger in das Thema ein und betonte: Unsere Gesellschaft verändert sich, doch viele Wohnkonzepte sind gleich geblieben. Klassische Modelle wie das Einfamilienhaus passen oft nicht mehr zu heutigen Lebensrealitäten. Es geht daher nicht nur um Wohnen, sondern um die Frage, wie wir künftig leben wollen.
Ein konkretes Beispiel stellte Michael Huber mit dem Mietshäusersyndikat vor. Dieses Modell organisiert Wohnraum als Gemeinschaftseigentum und entzieht ihn dem spekulativen Markt. In Deutschland gibt es bereits rund 600 solcher Projekte, die bezahlbare Mieten ermöglichen und gemeinschaftliches, selbstbestimmtes Wohnen fördern.
Reinhard Mühlbauer vom Seniorenbeirat Traunstein lenkte den Blick auf die Situation älterer Menschen. Einsamkeit und fehlende Unterstützung im Alltag sind weit verbreitet. Im Landkreis Traunstein leben rund 46.000 Rentnerinnen und Rentner, etwa 1.600 davon in Grundsicherung. Sein Wohngemeinschaftsprojekt für Senioren setzt auf gemeinschaftliche Wohnformen in Vierer-WGs. Vorteile sind gegenseitige Unterstützung, deutlich geringere Kosten, staatliche finanzielle Unterstützung und mehr soziale Einbindung bei gleichzeitigem Erhalt der Selbstständigkeit. Gleichzeitig könnten durch solche Modelle Wohnungen frei werden, die Familien zugutekommen.
Als Herausforderung wurde vor allem genannt, passende Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu finden. Geplant ist hierfür ein strukturierter Prozess mit Fragebögen, Vorschlägen und Kennenlerntreffen. Der Verein „Wirtschaft und Leben“ könnte die Umsetzung begleiten.
In der offenen Diskussion wurden weitere Ansätze eingebracht: der Bau von Sozialwohnungen durch Bayernheim und die WBG Traunstein, die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, wie Werkzeug, Infrastruktur und Gärten und Spielgeräte sowie der Umbau bestehender Gebäude. Auch die Idee, gezielt kleinere Wohnungen für ältere Menschen in der Stadt zu schaffen, um größere Häuser für Familien auf dem Land freizumachen, fand breite Zustimmung.
Der Abend zeigte insgesamt: Alternative Wohnkonzepte können nicht nur den Wohnraummangel lindern, sondern auch soziale Herausforderungen wie Einsamkeit und steigende Kosten adressieren. Entscheidend ist, Wohnen stärker als gemeinschaftliche Aufgabe zu verstehen.



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