Große Diskussionen gab es, als die Stadt Traunstein bekanntgab, eine Fahrradstraße „vom Kirchplatz zum Maxplatz“ einzurichten – und seit einigen Monaten ist sie Realität. Grund genug für unseren Ortsverband, zum November-Themenabend in den Sailer Keller einzuladen: Der Titel der öffentlichen Veranstaltung war: „Vorfahrt für’s Fahrrad – Was bringt die neue Fahrradstraße?“. Über 50 Besucher füllten das „Georgi-Stüberl“ bis an die Kapazitätsgrenze.
Stadtrat Thomas Stadler berichtete in seiner Einführung, dass in 2020 ein Stadtratsantrag der Grünen angenommen wurde, den Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ zu beantragen. „Dafür muss innerhalb von 4 Jahren ein Projekt durchgeführt werden“, so Stadler „und jetzt ist sie da, die erste Fahrradstraße Traunsteins.“
Planer Uli Habl („ich bin ein waschechter Traunsteiner“) berichtete, dass die Realisierung eine „schwere Geburt“ war, „weil es bei uns so etwas noch nicht gab“.
Anhand einer Serie von Fotos konnten die Besucher vom Planer Habl allerhand Neues lernen: „Höchstgeschwindigkeit ist 30 km/h, auch für Radler“ und „Autos und Motorräder sind hier ,geduldet’“, sagte er.
Viele Bürger Traunsteins fragten sich schon seit einer Weile, was die unterbrochenen weißen Linien am Fahrbahnrand bedeuten: Habl: „Das sind „visuelle Leitlinen“ für die Radler, sie schützen vor Kollisionen mit unbedacht geöffneten Türen parkender Autos“.
Nun war man gespannt, welche Wortmeldungen in der Frage- und Diskussionsrunde kommen. Und es kamen nur positive Äußerungen, oft mit Vorschlägen zu Verbesserungen.
Ortssprecherin Martina Wenta nutzt die Fahrradstraße oft und gerne, aber die „Abfahrt“ nach Haslach auf dem ehemaligen Fußweg ist sehr steil „und für Kinder eigentlich nicht machbar“. Habl erwiderte, dass geplant war, die Fahrbahn des Hohlwegs für Autos zu sperren, aber das scheiterte am Protest der Anlieger“.
Da meldete sich Norbert Fabritius, auch Anwohner auf der Wartberghöhe: „Das hätte uns Anwohnern im ganzen Viertel doch viel mehr Ruhe und somit höhere Lebensqualität gebracht“.
Stefan Schwankner wusste, dass viele Autofahrer „aus dem Süden“ hier „ohne Ampel bis zum Zentrum durchfahren“ und er schlug ein Schild „nur für Anlieger“ vor. Habl befürchtete, dass das nicht kontrollierbar wäre.
Eine Mutter, auch Anwohnerin, sagte, dass morgens gegen 7:30 Uhr so viel „unübersichtlicher und gefährlicher“ Autoverkehr ist, dass sie ihr 11-jähriges Kind nicht auf der Fahrbahn radeln lässt.
Auch der neugestaltete Knotenpunkt Leonrodstraße führte zu Diskussionen, mit der Idee eines Bürgers, doch die „Einbahn-Regelung in der unteren Haslacher Straße einfach umzudrehen“. Fazit der Veranstaltung war, dass die Fahrradstraße trotz mancher Unkenrufe und Verbesserungswünsche eine tolle Sache geworden ist, und dass es vielleicht gut wäre, alle Verkehrsteilnehmer über das korrekte Verhalten auf Fahrradstraßen, noch detaillierter zu informieren. Planer Habl sagte zu, dass er das zum Beispiel in den Schulen gerne mache.

„Planer Uli Habl (rechts) diskutierte in einer von Stadtrat Thomas Stadler (links) geleiteten Veranstaltung über die neue Fahrradstraße.



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