Bericht zum Themenabend im Mai „Zugang zu sozialen Netzwerken beschränken?“

Auf die Frage „Zugang zu Social-Media für Kinder beschränken?“ gibt es keine einfache Antwort. Dies zeigte sich deutlich bei einer öffentlichen Veranstaltung unseres Ortsverbands im gut besetzten Saal des Sailer Keller. Als Experten waren eingeladen der Jugendsuchtberater Philipp Reiter und der Sprecher der Grünen für Digitales im bayerischen Landtag Benjamin Adjei.

Moderator Ciaran Hoey, selbst Berufsschullehrer, berichtete in seiner Einführung, dass es Schüler gibt, die „bis zu 10 oder 11 Stunden am Tag am Bildschirm sitzen“, bevor er an den Jugendsuchtberater Philipp Reiter übergab. Dieser sagte, dass ein Handyverbot manchem Kind oder Jugendlichen eine „Lebenswirklichkeit wegnehme“ und dass „eine Lücke“ entstehe.

Auf die Frage von Katharina Stadler, wie diese Lücke denn geschlossen werden könne, sagte Reiter, dass das schwierig sei, da diese Kinder oder Jugendlichen oft keine anderen Hobbies haben. Er sieht die Nutzung von sozialen Medien für Kinder unter 14 Jahren „kritisch“.

Landtagsabgeordneter Benjamin Adjei meinte, dass Eltern ihre Kinder zwar fragen, wie es heute in der Schule war, aber kaum „Wie war es heute auf Facebook?“ Adjei ist gegen ein Social-Media-Verbot, da es seiner Meinung nach nur die „Symptome bekämpft“. Er schlägt unter anderem vor, dass Eltern für die ganze Familie Smartphone-freie Zeiten einführen, in der alle Handys in der Handygarage (einer Schublade) deponiert werden. Wenn Eltern mit Kindern über Netz-Inhalte sprechen, sei schon viel gewonnen.

Das führte zum Thema „Handynutzung der Eltern und anderer Erwachsener“. Yola Schmitz meinte dazu: „Kinder imitieren ihre Eltern, und was ist, wenn Eltern auch den ganzen Tag am Smartphone hängen?“

Hierauf berichteten zwei Teilnehmerinnen, wie sie ihre eigene „Abhängigkeit“ bemerkten und was sie dagegen machen.

Stadtrat und Mittelschullehrer Thomas Stadler berichtete von einem Schullandheim-Aufenthalt ohne Handyempfang. Das sei für manche Schüler echt schwierig gewesen. Er hatte sich auch bei Kolleginnen und Kollegen umgehört und berichtete über Schlafstörungen von Schülern, von Mädchen, die sich im Netz ständig mit anderen vergleichen, über Jungen, die nichts versäumen wollen und vom Mobbing per Handy. „Wir Lehrer müssen das auffangen, die Wogen glätten, aufarbeiten – und daneben sollen wir noch Unterricht halten“. Vor einer Weile gab es für manche Klassen eine Zweitlehrerin oder -lehrer, die mitgeholfen haben, dass „die Kinder wieder mehr zu sich kommen“, aber die Stundenzahlen hierfür wurden mittlerweile stark reduziert. „Und es fallen immer mehr Lehrkräfte aus – wegen Burnout“, fügte Stadler hinzu.

Die vielen Wortmeldungen der lebhaften Diskussion kann man vielleicht so zusammenfassen: Die Betreiber der Plattformen sind kaum zu greifen, nicht alle Netzinhalte sind schlecht und es muss möglichst „sichere Räume im Netz“ für Kinder und Jugendliche geben. Schule und Eltern sind aufgefordert, mit den Kindern und Jugendlichen zu diskutieren und vor gefährlichen Netzinhalten wie Gewaltvideos und Pornographie zu warnen.

Im Bild von links: Moderator Ciaran Hoey, Ortssprecherin Martina Wenta, der Sprecher der Grünen für Digitales im bayerischen Landtag Benjamin Adjei, Jugendsuchtberater Philipp Reiter und Ortssprecherin Yola Schmitz.
 

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